BLOG 3
1. Ganz spontan – gab es bei der Durchführung des Rollenspiels ein ‘Aha-Erlebnis’?
Mein Aha-Erlebnis während des Rollenspiels war, wie entscheidend eine klare Struktur für eine gelingende Mediation ist. Ich war in der Rolle der Stadtverwaltung, Abteilung Bau – also eher auf der „sachlichen“ Seite. Trotzdem habe ich mich in diesem strukturierten Rahmen total gesehen und gehört gefühlt. Und das hat mich überrascht.
Die Mediatorin hat zu Beginn genau erklärt, wie das Gespräch ablaufen wird. Das hat sofort für Ruhe und Orientierung gesorgt. Alle wussten: Hier redet man nicht einfach durcheinander, sondern wird ernst genommen. Als „Gast“ in dieser Gesprächssituation hatte ich plötzlich das Gefühl, dass meine Perspektive zählt – und das, obwohl meine Rolle eigentlich die der „Verantwortlichen“ war, die oft in der Kritik steht.
Ich habe dabei verstanden, wie sehr Struktur in so einem Gespräch nicht einengt, sondern Sicherheit gibt. Gerade in emotional angespannten Situationen ist das Gold wert. Für mich war das eine richtig wertvolle Erfahrung – auch mit Blick auf spätere berufliche Situationen.
2. Was haben Sie in der Rolle der Mediatorin/des Mediators gut gemacht? Wie ist Ihnen dies
gelungen? Aufgrund dieser Erfahrung – auf was werden Sie bei der Vorbereitung eines
Konfliktgesprächs in Zukunft besonders achten?
Oder: Falls Sie diese Rolle nicht hatten, was hat die Mediatorin/der Mediator gut gemacht?
Ich war zwar nicht die Mediatorin selbst, aber ich habe im Rollenspiel miterlebt, wie gut eine professionelle Gesprächsleitung funktionieren kann. Die Mediatorin war sehr klar in ihrer Rolle – sie hat das Gespräch von Anfang an zielgerichtet geführt, ohne dabei dominant zu wirken.
Was ich besonders gut fand: Sie hat unsere Aussagen in eigenen Worten zusammengefasst – also paraphrasiert – und das hat total geholfen. Man merkt sofort: Sie hört wirklich zu. Gleichzeitig hat sie immer wieder an den roten Faden erinnert, sodass niemand abgeschweift ist.
Sie hat auch an den richtigen Stellen unterbrochen – nämlich dann, wenn es emotional wurde oder jemand zu sehr vom Thema abgekommen ist. Aber nie belehrend, sondern ruhig und professionell. Und obwohl sie so klar geführt hat, hatten alle genug Raum, sich mitzuteilen.
Ein echtes Highlight war, dass sie unsere Interessen auf einem Blatt sichtbar gemacht hat. Das hat Struktur ins Gespräch gebracht und klargemacht, worum es wirklich geht – nicht nur um Positionen, sondern um Bedürfnisse. Für mich war das super anschaulich und lehrreich für zukünftige Gespräche.
3. Notieren Sie hier ganz kurz eine Konfliktsituation, welche Sie erlebt haben. Stellen sie sich
vor, dass Sie dazu eine Mediation machen würden. Wie würden Sie sich darauf vorbereiten?
Können Sie Ihre eigenen Interessen und diejenigen der ‘Konfliktpartei’ benennen?
Ein alltäglicher Konflikt, den ich mit meiner Mitbewohnerin hatte, drehte sich um die Küchenordnung. Es war abgemacht, dass jeder nach dem Kochen aufräumt. An einem Abend hatte sie gekocht, aber die Küche sah auch am nächsten Tag noch chaotisch aus. Ich war genervt, habe sie darauf angesprochen – sie wiederum fühlte sich direkt angegriffen und meinte, sie hätte es „eh noch vorgehabt“. Daraus wurde dann ein ziemlich unnötiger Streit.
Wenn ich das heute mit dem Blick aus dem Rollenspiel betrachte, hätte ich es viel ruhiger angehen können. Statt gleich Kritik zu äußern, hätte ich vielleicht erstmal fragen sollen, warum es diesmal nicht geklappt hat, ob sie vielleicht gestresst war oder etwas dazwischenkam. Und sie hätte genauso sagen können, was sie an meiner Reaktion gestört hat – vielleicht der Ton oder der Moment.
In einer kleinen Mediation oder einfach in einem strukturierten Gespräch hätten wir beide unsere Bedürfnisse benennen können: Ich will Sauberkeit und Ordnung, sie wünscht sich Flexibilität und Verständnis, wenn mal was liegen bleibt.
Mit dieser Haltung hätte man gemeinsam Lösungen finden können – z. B. ein flexiblerer Putzplan oder einfach bessere Kommunikation, wenn mal was nicht sofort klappt. Das Rollenspiel hat mir gezeigt, wie sehr Zuhören, Struktur und Verständnis auch in kleinen Alltagssituationen helfen können, Eskalationen zu vermeiden.
Dein Aha-Erlebnis zur Bedeutung von Struktur passt gut zu meiner Erfahrung als Vertretung des Hasentals. Auch ich habe gemerkt, wie wichtig ein klarer Rahmen ist, damit sich alle – trotz unterschiedlicher Ausgangslagen – wirklich ernst genommen fühlen.
AntwortenLöschenLiebe Sophie
AntwortenLöschenVielen Dank für diese ausführliche Reflexion! Hat mich grad sehr gefreut, dass Du so ein Aha-Erlebnis als Partei machen konntest. Ich finde es immer wieder eindrücklich, wie man auch in einem Rollenspiel so persönliche Erlebnisse wie 'ich fühle mich gehört' realistisch empfinden und erleben kann. Super!
Dein Konfliktbeispiel finde ich auch eindrücklich...wie so ein kleiner Vorfall dann ein Streit auslösen kann. Ob es wirklich immer gelingt, diesen mit Vorbereitung zu verhindern (zB mit einer klaren Ich-Botschaft?), weiss ich nicht - manchmal rutscht so ein Satz ja einfach raus. Gut ist ja, dass man immer wieder auf eine Aussage zurück kommen kann und es beim Zusammenleben ja auch leider immer wieder Gelegenheit gibt, die eigene Konfliktfähigkeit zu verbessern. Ich wünsche Dir weiter viel Erfolg und Freude beim Entdecken, wie man gut mit Konflikten umgehen kann!
Liebe Grüsse, Petra